Previous Page  9 / 32 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 9 / 32 Next Page
Page Background

information & emotion

9 | MÄRZ 2017

Foto: ©

pixabay.com

Der emotionale Mensch – Teil 13:

GIBT ES NICHT MOMENTE IN DENEN ES BESSER IST SICH SELBST

ZURÜCKZUHALTEN, WENN MAN WILL?

Emotionen ja, aber wann?

Mag. Markus Neumeyer

Theater-,Film- und

Medienpädagoge

dipl. Lern/Freizeit &

Vitalcoach

www.stagefreaks.at

W

ir Menschen sind emotionale

Wesen, soviel wissen wir

bereits. Und ja, Emotionen

sind gut, solange sie von

uns erkannt, sie positiv genutzt werden

und wir daraus lernen uns selbst besser

kennenzulernen. Unsere Gefühlsaus-

brüche, die bekanntlich meist jenseits

unserer Kontrolle angesiedelt sind,

haben im besten Fall eine reinigende

Wirkung auf unsere oft vernachlässigte

Psychohygiene – eine Art Katharsis für

unseren oft stressigen Alltag. Eine Frage,

die man sich allerdings stellen sollte: Ist

es ratsam seine Emotionen auch in allen

Lebenslagen zu offenbaren?

WANN WIR UNS BEHERRSCHEN

SOLLTEN

Unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen

ist, wie bereits erwähnt, meist gesund

für uns und zeigt unseren Mitmenschen

wie wir uns fühlen und was in uns

vorgeht. Es gibt jedoch Momente in

unserem Leben, in denen es ratsam ist,

sich „zusammenzureißen“. Allen voran

sind das jene Situationen im beruflichen

Umfeld, in denen uns übermäßige Ge-

fühlsausbrüche definitiv Nachteile brin-

gen würden. Denken sie an Momente,

in denen sie Meinungsverschiedenheiten

mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus-

fechten müssen oder sich ein Streitge-

spräch mit ihren Vorgesetzten oder ihren

Kunden anbahnt – in solchen Momenten

ist von großem Vorteil sich unter Kon-

trolle zu haben.

Stehen sie ruhig zu ihrer

Meinung, zeigen sie

Rückgrat, aber drosseln

sie ihren aufkommenden

Zorn auf das in ihrem

Umfeld akzeptierte Maximum. Es ist alle-

mal besser, ihre Meinung mit wohlüber-

legten und inhaltlich fundierten Diskus-

sionsbeiträgen zu vermitteln, als Dinge

zu sagen, die sie im Nachhinein bereuen

und die in den wenigsten Fällen wieder

rückgängig gemacht werden können.

ZORN HERUNTERSCHLUCKEN

BRINGT NICHTS

Nach solcherlei emotionsgeladenen

Erfahrungen im Job reagieren viele Men-

schen leider falsch. Entweder sie schlu-

cken ihren Zorn hinunter und sorgen so

für einen ungesunden „Gefühlsstau“,

der sich negativ auf ihre Arbeit auswirkt.

Im schlimmsten Fall verlieren sie die Lust

zu arbeiten. Sie machen, wenn über-

haupt, Dienst nach Vorschrift und wer-

den vom Teamplayer zum ausgegrenzten

oder gar gemobbten Sonderling.

Bei der anderen Variante, nehmen sie

ihre negativen Gefühle mit nach Hause

und lassen diese an ihren Familienmit-

gliedern aus. Schon bei der kleinsten Ge-

legenheit reagieren sie über und riskie-

ren so, auch ihr Privatleben empfindlich

zu beeinträchtigen. Mein Tipp: Suchen

sie sich ein interessantes Hobby mit dem

sie ihre Emotionen kanalisieren können.

Gehen Sie Laufen oder Walken, schlie-

ßen Sie sich einer Theatergruppe an oder

werden sie anderweitig aktiv. Auf keinen

Fall sollten sie versuchen ihr Seelenheil

mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln

wiederherzustellen, denn diese Mittel

haben die Angewohnheit Gefühlszustän-

de zu verstärken, auch wenn sie auf den

ersten Blick betäubend wirken.